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Was ist eigentlich dieses Design Thinking?

Innovation

von  am 19. Mai 2016 um 16:11 Uhr

Das haben wir uns auch gefragt, als unser neuer Kunde im Rahmen eines Projektes den Wunsch hatte, zu dem Thema „Monitoring der Supply Chain" einen Design Thinking-Workshop zu organisieren.

Doch was macht Design Thinking so besonders und wo ist der Unterschied zu anderen klassischen Methoden aus dem Requirements Engineering?

Der Unterschied liegt in dem Mix und der Sammlung von Techniken verschiedener Disziplinen, die in Kombination die Erfolgswahrscheinlichkeit und Verlässlichkeit von nutzerzentrierten Ideen erhöhen können. Diese Methoden sollen als Innovations-Katalysator dienen, um die Balance zwischen Wunsch, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu finden, damit aus einer Idee eine echte Innovation wird!

…Kapier ich nicht, denken Sie vielleicht..???

Das haben wir auf Anhieb auch nicht verstanden! Deshalb ist es umso wichtiger sich Hilfe zu holen. Unsere erste Anlaufstelle war unser Innovationsmanager Werner Martin. Er ist neben unserer Community of Practice (CoP) Design Thinking bei TSS auch in einem Realisierungsteam „Design Thinking“ innerhalb der Daimler AG vertreten und steht hier wöchentlich im Austausch. Gemeinsam mit ihm und seinem CoP-Team war es uns möglich, in nur kurzer Zeit den Workshop auf die Beine zu stellen. Hierbei hatten wir zusätzlich Unterstützung von SAP, die als Pioniere in diesem Bereich gelten. Jochen Gürtler aus dem Design und Co-Innovation Center der SAP (unser Moderator) und Johannes Meyer beschreiben das Prinzip von Design Thinking wie folgt:

„Es geht um die Verbindung der passenden Menschen mit den benötigten (Frei-) Räumen und der richtigen Herangehensweise."

Das bedeutete also, dass wir „die passenden Menschen" für den Workshop finden mussten. In unserem Fall waren das unterschiedliche End-Nutzer aus der Logistik und der Daimler IT, sowie das Projektteam der Logistik und das TSS-Entwicklungsteam. Es war aber ebenso wichtig, die richtige „Räumlichkeit" zu finden, welche Teamarbeit, Gruppenarbeit, Gespräche zu zweit, aber auch das Halten von Vorträgen ermöglicht. Die Umgebung ist also wichtig, denn sie fördert unsere Kreativität! Nach etwas Recherchieren sind wir auf die Location „Gourmet Berner" gestoßen, welche uns mit Ihrem rustikalen Interieur perfekt half, aus dem Alltag zu flüchten.

Als die Rahmenbedingungen und die Themen für ein paar Impulsvorträge geklärt waren, ging es dann ans Eingemachte. Was sonst bringen die passenden Menschen und die perfekten Räumlichkeiten, wenn die „Herangehensweise" für solch einen Workshop oder aber auch für das Projekt in Summe nicht passt? Das bedeutete also, dass wir gemäß der Methodik Design Thinking bereits vor dem Workshop eine Design Challenge definieren mussten. Im Fokus steht hier die Definition einer Fragestellung, die spezifisch genug ist, aber den Lösungsraum nicht zu sehr einschränkt.

…und das war unsere Challenge, welche wir mit folgendem zentralem und iterativem Vorgehen in Ansätzen zu lösen versuchten:

„Gestaltet eine Monitoring-Lösung, die das globale Produktionssystem sichert."

  • Verstehen (Status Quo, 360 Grad Recherche, Synthese)
  • Design (Ideen finden, Prototypen bauen, Testen)
  • Liefern (Implementieren, Testen, Umsetzen)

An Tag eins beschäftigten wir uns mit dem „Entdecken", also dem Lernen und Verstehen des Problemfeldes. Nach einem Warm-Up und dem Kennenlernen wurden wir durch die Übung „eine Innovation in einer Stunde" mit dem oben abgebildeten Vorgehen vertraut gemacht. Anhand des Beispiels der - Verbesserung der Zusammenarbeit im Projekt - haben wir in nur einer Stunde versucht in einem Zweierteam das Problem des Partners zu verstehen und über gezielte Fragestellungen am Ende eine Lösung zu finden und zu skizzieren. Danach starteten wir mit unserer eigentlichen Challenge in durchgemixten Teams von vier bis fünf Personen. Nach einem 45-minütigem Brainstorming und der Vorbereitung auf eine Interviewreihe mit End-Usern ging es am Nachmittag mit den Befragungen dreier End-User los. Durch gezielte Fragestellungen haben wir somit versucht, das Wissen aufzunehmen und die Schmerzen der User zu verstehen. Auf Basis der Gespräche wurden dann im Anschluss die Key-Facts der einzelnen User mit Post-Its an die Wand geklebt und nochmals auf die vier wichtigsten Fakten reduziert. Am Ende des Tages haben wir aus den wesentlichen Erkenntnissen erfolgreich eine „Persona" entwickelt, welche unsere typischen Nutzer beschreibt. Jedes Team hat im Anschluss seine Persona vorgestellt und konnte Feedback einholen. An diesem Punkt befanden wir uns in der Phase der Synthese, wo alle gesammelten Informationen strukturiert, veranschaulicht und zusammengetragen wurden.

An Tag zwei beschäftigten wir uns mit der „Design"-Phase, also mit der Lösungsfindung. Auch hier starteten wir mit einem Brainstorming über alle möglichen Ideen die uns in den Sinn kamen. Unsere Kreativität wurde hierbei immer wieder durch Inputs der Team-Moderatoren angeregt. Hierbei verwendeten sie Fragen wie:

  • Wie hättet Ihr versucht das Problem vor 100 Jahren zu lösen?
  • Wie hätte Napoleon das Problem gelöst?
  • Wie würde die Queen oder James Bond das Problem lösen?

Nach dem Brainstorming und einem kurzen Impuls-Vortrag ging es direkt weiter mit den ersten Prototypen. Hierzu haben wir die besten Ideen ausgewählt und die restlichen Ideen in den „Ideen-Speicher" verlagert. Durch von TSS mitgebrachte Whiteboards, Perücken für Rollenspiele und Vieles mehr waren unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Im Fokus stand der Entwurf von visuellen und anfassbaren Prototypen. Nach nur kurzer Zeit durften wir unsere unfertige Lösung einem anderen Team vorstellen und uns Feedback und neue Impulse einholen. In weiteren 60 Minuten haben wir dann unseren Prototypen mit passender Story entwickelt, welche wir anschließend im Plenum vorgestellt haben.

….und jeder war begeistert!!

Alle vier Teams haben ihre Monitoring-Lösung in ein Rollenspiel verpackt und es auf interessante und witzige Art und Weise vorgestellt. Hierbei stand nicht nur die Lösung im Mittelpunkt, sondern auch der User und seine Emotionen!

Der Workshop war ein voller Erfolg und ein guter Start für das Projekt. Nun gilt es mit der passenden Projektstruktur, mit SCRUM, der Vision und den Methoden des Design Thinkings und u.a. des klassischen Requirements Engineering den geeigneten Mix zu finden, um tiefer in die Welt der End-User einzudringen. Es ist ein langer, sehr interessanter, dennoch aber auch sicher nicht einfacher Weg zum Ziel. Mit der Offenheit, der Bereitschaft und dem Interesse des Teams an neuen Dingen sind jedoch wichtige Voraussetzungen für ein Design Thinking-Projekt vorhanden und wir freuen uns jetzt schon auf die ersten Sprints und weitere Workshops.

Gürtler, J. , Meyer, J. (2015), Design Thinking – In 30 Minuten wissen Sie mehr!, Gabal Verlag, Offenbach

Dieser ganze Beitrag ist in Anlehnung in dieses Buch verfasst.

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