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Was eine Radtour von einem Scrum-Projekt lernen kann – und umgekehrt

Mitarbeiter

von  am 24. Mai 2019 um 09:03 Uhr

Wer schon einmal eine mehrtägige Radtour unternommen hat weiß: Das Equipment muss funktionsfähig sein, das Kartenmaterial aktuell und die Motivation unerschütterlich. Soweit, so gut. Was aber, wenn das Ziel 4.000 Kilometer entfernt ist (Nordkap!) und der Rückflug so gut wie gebucht? Mein Sohn Joscha – zu Beginn der Planungen gerade 17 Jahre alt – und ich wollten es wissen. Unser Proof of Concept (PoC) war ein Alpencross im Jahr zuvor, von Ulm über den Fern- und Reschenpass und Venedig nach Bologna. Das Setting machte Mut. Wir hatten in punkto Höhenmeter eine neue Benchmark für uns gesetzt. Also einfach neu starten, nur eben in die andere Himmelsrichtung? Welche Learnings sind für unser Vorhaben nutzbar – und was ist je nach Wetter und anderer Gegebenheiten besser vor Ort zu entscheiden? Gleich vorweg: Diese Tour sollte nicht nur eine Erfahrung fürs Leben werden, sondern auch mein Verständnis von agiler Methodik neu definieren.

1,5 Jahre Planung – genug Zeit

Vorab nehmen wir kleinere Optimierungen an unserem Equipment vor: Bei der Routenplanungs-Software entscheiden wir uns für eine App mit intuitiver Bedienung sowie für die Radwege-Variante für OpenStreetMap als Kartenmaterial. Zudem setzen wir auf das kleinste auf dem Markt erhältliche Fahrrad-Navi, mit minimalistischer Routendarstellung und maximaler Akku-Laufzeit. Und sonst? Ein größeres Zelt, das war‘s. Die Implementierung steht. Das Timing auch. Wir sind im Startfieber.

Natürlich ziehe ich Parallelen zu unseren Scrum-Projekten bei Daimler TSS. Ich versuche, mir die Momente bewusst zu machen, in denen ein Scrum-Team entsteht. Was bringt den Prozess der Selbstorganisation ins Rollen? Und was passiert eigentlich, wenn eine Person mehr als eine Scrum-Rolle einnehmen muss – oder gar alle Rollen in einer Person laufen? „Ähm… weiß denn unser Navi schon wo´s langgeht?“ holt mich Joscha mit einem vielsagenden Grinsen aus den Gedanken.

Gleich wird´s agil

Wir haben nur die ersten beiden Übernachtungen gebucht, um ganz flexibel zu sein. Die Gesamtroute unterteilen wir in „Wochen-Sprints“ à 400 km Länge. Mit Google Maps und booking.com werden wir überall Unterkünfte oder Zeltplätze finden, andernfalls wird eben wild gecampt. Einziger Fixpunkt: der gebuchte Flug für die Rückreise. Kurz vor Abfahrt merken wir, dass unser neues Navi nicht die komplette Tour aufnehmen kann. Auch werden oberhalb des 51. Breitengrades keine Höhenmeter mehr berechnet und geplante Routen nicht mehr editiert. Hätten wir das nur mal vorher getestet! Eine schnelle Recherche zeigt: ein bekannter Bug. Bis in den frühen Morgen dauert es, um herauszufinden, wie wir die restlichen Routen planen können. Unser Learning: Just-In-Time-Aktionen bei wichtigen Vorhaben besser sein lassen!

Die ersten Etappen

Dann geht es los: Donauradweg, Bayerischer Wald, Tschechien. Die Tour führt uns durch acht Sprachen, fünf Währungen (Tschechische Krone, Polnischer Zloty, Russischer Rubel, Schwedische Krone, Norwegische Krone) und auch durch Länder außerhalb der EU (Kaliningrad/Russland, Norwegen) und der NATO (Kaliningrad). Vor der Reise dachte ich, Europa sei einheitlicher. Was jedoch überall besser klappt als zuhause in Deutschland, ist das elektronische Bezahlen. Und auch die WLAN-Abdeckung wird immer besser, je weiter wir nach Norden kommen.

Ausgebremst und voll verplant

Doch der Reihe nach. In Polen führt uns unsere Route immer wieder auf tief versandete Wege – mit einem Tourenrad extrem anstrengend. Wir kommen viel langsamer voran als gedacht. Sei es wegen einem umgestürzten Baum, einem Fluss, der zu durchqueren ist, oder einem Hund, der uns in die Waden beißen will. Wir lernen unser Kartenmaterial genauer zu lesen. Dann stehen wir plötzlich vor einem Paradebeispiel für fehlende Anwenderorientierung: Ein geteilter Fuß-Radweg hat auf der einen Seite ein Geländer, zur Geschwindigkeitsreduzierung für Radfahrer. Doch die andere Seite ist vollkommen frei. Das Geländer ist handwerklich gut gemacht und richtig montiert, quer zur Fahrbahn, aber das Konzept geht einfach nicht auf. Das Ergebnis ist vollkommen nutzlos!

Jeder Sprint birgt Überraschungen

Wir kämpfen uns weiter hoch nach Norden. Rundum begeistert sind wir von der Kurischen Nehrung. Ein einsamer Küstenstrich von Kaliningrad nach Litauen, im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – einfach unglaublich schön! Dann eine Überraschung ganz anderer Art: Talinn (Estland) hat bereits 2013 einen kostenlosen Nahverkehr eingeführt. Als wir in Norwegen ankommen, lässt sich der Reichtum des Landes sogar an einem vergoldeten Klohäuschen ablesen. Die Leute sind freundlich, die Autofahrer rücksichtsvoll. Es ist das Land mit den wenigsten Verkehrstoten (pro Einwohner) und den meisten Elektroautos Europas! Enorm auch der Preisunterschied bei der Lebenshaltung: In einer Pommesbude bezahlen wir zu zweit fast 40 € für eine Mahlzeit. Dafür hätten wir in Polen dreimal im Restaurant essen können! Inzwischen fällt uns gar nicht mehr auf, dass kein einziger Sprint so verläuft wie ursprünglich geplant. Dann, am 59. Tag unserer Reise, erreichen wir das Nordkap. Wie zur Belohnung tags darauf ein paar Rentiere direkt vor unserem Zelt. Von Tromsø fliegen wir zurück.

Prio 1: Anpassungsfähig bleiben!

Was bleibt von dieser Tour? Ich bin dankbar, in einem Unternehmen zu arbeiten, das flexibel genug ist, solche Vorhaben überhaupt zu ermöglichen. Mir jedenfalls haben meine Scrum-Kenntnisse sehr geholfen. Iteratives Handeln verlangt Lernbereitschaft – und den Mut, Fehler zu machen. Ganze 10 % unserer Route sind wir so gefahren wie ursprünglich geplant. So viel Agilität weckt den Ehrgeiz. Das Team will sich beweisen, dass es Ziele erreichen kann, ohne Druck von außen.

Wann immer wir Abweichungen vom Soll-Zustand erfahren, sind wir gefordert, die richtigen Entscheidungen abzuleiten, uns anzupassen. Das ist die hohe Kunst der Selbstorganisation. Offenheit für Neues ist unverzichtbar. Sie schärft unseren Blick für die kleinen Details und großen Erkenntnisse, die uns weiterbringen. Im Urlaub und erst recht im Business.

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