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Digitalisiert, automatisiert und vernetzt

Technologie

von  am 11. Jul 2016 um 09:40 Uhr

Das fortschreitende digitale Zeitalter führt zu einem Wandel in unserer Gesellschaft, der sich für die Wirtschaft in der Industrie 4.0 – also der vierten industriellen Revolution - zu manifestieren scheint. Sicher ist: Das Digitale verändert unsere Welt. Eine zentrale Herausforderung dabei – gerade für die Unternehmen – ist es, die Transformation also die Anpassung an die neuen Technologien und deren Nutzung zu schaffen – genauso wie es die anderen industriellen Revolutionen zuvor gefordert haben.

Die Entwicklung wird immer schneller

Viele begehen dabei heutzutage jedoch einen Denkfehler: Digitalisierung im Sinne der digitalen Transformation bedeutet nicht, das Fax durch E-Mails zu ersetzen und das war’s schon. Es gilt vielmehr, die neuen Anforderungen zu verstehen und die Herausforderung anzunehmen. Denn die digitale Transformation ist ein Prozess, der schon vor einiger Zeit begonnen hat, dessen Entwicklung heute noch andauert und auch noch weitergehen wird. Das Entscheidende ist: Die Entwicklung innerhalb dieses Prozesses wird zukünftig immer schneller.

Der Einzelne tut sich dabei leichter, mit der Geschwindigkeit mitzuhalten, da er flexibler ist. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass viele Mitarbeiter – gerade der viel zitierten Generation Y – privat oftmals über bessere digitale Lösungen verfügen; vor allem, was Mobile und Online anbelangt, als an ihrem Arbeitsplatz. Und auch wenn sich manche Unternehmen langsamer der digitalen Transformation unterziehen würden, spätestens durch das geänderte Verhalten der Mitarbeiter und die daraus resultierenden Anforderungen werden sie schneller damit konfrontiert als gedacht. Begonnen mit der Möglichkeit, durch die technische Entwicklung mobil zu arbeiten und oft die bessere Ausstattung zuhause zu haben, vermischt sich die Arbeitswelt der Digital Natives mit ihrer Freizeit.

Demokratisierung der Informationen

Entsprechend bewegen sich Ansprüche aus der Freizeit auch in die Arbeitswelt. Mit der Folge, dass das Management eine Abkehr oder zumindest eine Ergänzung zu oft schwerfälligen, deterministischen Top-Down-Planungsmustern erlebt.

Aufgabe des Managements ist es nun nicht mehr, die passende Lösung (zum Beispiel einen geeigneten Fertigungsplan) zu finden, sondern vielmehr auf einer höheren Ebene den Rahmen für das Funktionieren einer solchen emergenten Planung zu schaffen. Dies bedeutet an vielen Stellen, bestehende Methoden, aber auch Kulturelemente in Frage zu stellen; umso mehr, da sich an der Planung nun nicht mehr nur Menschen, sondern auch Dinge als Subjekte beteiligen. Damit einher geht die Forderung nach mehr Transparenz im Unternehmen, einer Demokratisierung der Informationen, die als Entscheidungsgrundlage dienen.

Der Hunger nach Daten wird groß

Unternehmen sind also gefordert, sich baldmöglichst mit den neuen Anforderungen an das Management und die Organisation auseinanderzusetzen. Pilotprojekte, Zukunftswerkstätten und gezielte Experimente helfen, den Wandel und die resultierenden Anforderungen erlebbar zu machen und neue Denk- und Handlungsmuster zu entwickeln und auch mit der zunehmenden Demokratisierung von Informationen umzugehen. Damit entstehen aber auch völlig neue Fragestellungen den Datenschutz und die Informationssicherheit betreffend.

Grundsätzlich gibt es Richtlinien auf nationaler und europäischer Ebene, die sicherstellen sollen, dass persönliche Daten rechtskonform verarbeitet und genutzt werden. Dennoch gibt es in der Rechtslage noch viele Lücken und offene Fragen. Der Hunger nach Daten der Industrie ist auf jeden Fall groß – sei es die Krankenkasse, die in ihrer App Daten nach Vorerkrankungen abfragt oder das Smartphone, dessen Betriebssystem nicht ohne ein eigenes Benutzerkonto funktioniert. Auch die Fragestellung, wem die Daten, bspw. Sensordaten im Auto gehören, dem Hersteller oder Besitzer, ist noch offen. Unternehmen, die glaubwürdig sichere Dienste anbieten, werden hier aber perspektivisch die Nase vorn haben. Denn Kunden sind häufig weit technikaffiner als die Anbieter der Technologien glauben zu wissen.

Der Kampf gegen digitale Eindringlinge

Aber auch in den Unternehmen selbst stehen Entscheider in allen Branchen vor einer Fülle von neuen digitalen Möglichkeiten. Noch vor zwei Jahren war Disruption in Deutschland kein Thema. Doch heute wird verstärkt darüber nachgedacht. Viele Konzerne überlegen sich, wie sie ihr Geschäftsmodell gegen junge, digitale Eindringlinge in ihren Branchen schützen können. Blinder Aktionismus und Schnellschüsse wie der Relaunch der Internetpräsenz allein helfen hier nicht weiter. Auch eine eigene App allein hat nichts mit der Abwehr von disruptiven Konkurrenten zu tun. Firmen sollten sich vielmehr überlegen, wo genau ihr Mehrwert liegt und an welcher Stelle er generiert wird. Dort wird die disruptive Konkurrenz ansetzen und sich zwischen Unternehmen und Kunde schieben.

Entscheidungsträger müssen erkennen, dass die technologischen Verbesserungen in einem bislang nie gesehenen Tempo weitergehen und dass das was als digitale Transformation in Unternehmen Einzug gehalten hat, nur der Anfang ist, dass daraus ein konstanter, intensiver Change-Prozess in jedem Unternehmen etabliert werden muss und dass es die Aufgabe der Unternehmensleitung ist, diesen Change-Prozess zu kuratieren und zu fördern. Der Veränderungsprozess setzt sich immerwährend fort und besitzt eine umbrechende, tiefgreifende Dimension. Unternehmen müssen sich ständig selbst infrage stellen und die, die es tun (bspw. Google mit einer eigenen Abteilung für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle), haben heute gute Chancen, auch etablierte Unternehmen zu überholen.

Daten können die automobile Wertschöpfungskette optimieren

Bereits heute spielen digitale Technologien eine entscheidende Rolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilbranche. Die Herausforderung ist es aber, die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb und der Verkaufsnachbereitung digital abzubilden.

Denn wer es versteht, durch die Nutzung der Technologien, die durch die digitale Transformation entwickelt wurden und werden, alle verfügbaren Daten zu sammeln, zu verknüpfen und auch auszuwerten, kann mit den Ergebnissen die bestehenden Prozesse entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette optimieren. So lassen sich mit dem Erfassen möglichst vieler Nutzungsdaten, die durch zunehmend vernetzte Fahrzeuge automatisch an die Hersteller geschickt werden, die Produktattribute schon in der Entwicklung optimieren. Dies erspart unnötige Mehrkosten etwa für Funktionalitäten, die der Kunde überhaupt nicht oder nur wenig nutzt.

Das „Smart Car“ lässt nicht lange warten

Dabei muss aber auch das Auto als Produkt in einer immer digitaleren Welt neu erfunden werden. Die Rechenleistung in einem Neuwagen ist zwar bereits höher als in so manchem PC, Ziel sollte es aber sein, das Auto als größtes mobile device zu betrachten und so die gleichen Anforderungen an das Produkt zu stellen und auf die entsprechend verfügbaren Technologien zu reagieren. Der „User“ erwartet dies.

So wird in absehbarer Zeit klassische Hardware (z.B. Lenkung, Getriebe) zunehmend digital. Genauso wie Fahren ohne mechanische Kraftübertragung („Drive-by-Wire“, „Steer-by-Wire“, „Brake-by-Wire“). Das veränderte Nutzerverhalten aus anderen Bereichen wird auch komplett andere Anforderungen daran stellen, wie der Fahrer mit dem Fahrzeug interagieren will. User interfaces, die sich anderswo durchgesetzt haben, wie die Gestensteuerung, wird der Benutzer auch im Fahrzeug erwarten, genauso wie digitale statt analogen Instrumenten. Und nachdem der Nutzer es gewohnt ist, fast alles via Smartphone zu steuern, wird die Anforderung an ein Smart Car nach einem Smart Home bestimmt nicht lange auf sich warten lassen.

Die Endstufe der Disruption

In Summe ist das oben Beschriebene die Vorstufe zum autonomen Fahren und der Weg dorthin und damit auch die Endstufe der Disruption. Denn ein selbstfahrendes Auto ist dann (fast) komplett digital. Jedoch ergeben sich auf dem Weg dorthin noch ganz andere Probleme. Zum einen ist die rechtliche Fragestellung der Haftung bei einem autonom fahrenden Fahrzeug noch nicht eindeutig geklärt. Andererseits sind die erforderliche Technik und die entsprechenden Subsysteme und Komponenten technisch bereits ausgreift, die Entwicklung der benötigten Software und entsprechender Entscheidungsalgorithmen hinkt aber noch etwas hinterher.

Dies sind wiederum Punkte, die außerhalb der Branche stehende Unternehmen etwa Google oder Apple teilweise leichter lösen könnten, da sie bereits über relevante Vorkenntnisse und einsetzbare Module verfügen. Auch in der Überwindung rechtlicher Hürden sind sie oft geübter als die Autohersteller.

Das beste Komplettpaket für den Kunden

Wer sich hier nicht bewegt und in neue Felder vorwagt, läuft Gefahr abgehängt zu werden. Die zentrale Anforderung des Kunden ist es, Mobilität zu erhalten. Neue Technologien, wie das autonome Fahren, generieren dabei neue Fragestellungen: Wie verbringt man die Zeit im Auto, wenn der Zeitaufwand des Fahrens wegfällt? Der Lebensstil unserer Zeit und die verfügbaren Techniken erfordern neue Lösungen der Industrie, denn Mobilität bedeutet für den urbanen Menschen nicht zwangsweise ein eigenes Auto. Entscheidend wird also sein, wer dem Kunden das beste Komplettpaket für seine Mobilität im digitalen Zeitalter anbieten kann und gleichzeitig die damit einhergehenden Fragestellungen bezüglich der Datensicherheit für den Kunden beantworten kann.

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